Nachhaltig auf, hinter und vor der Bühne

Kunst und Kultur schaffen Räume für Begegnung, Austausch und neue Perspektiven. Genau darin liegt auch ihre Stärke für den Klimaschutz.
Eröffnungsfeier der Tage der Klimakultur 2025 im Treibhaus mit einem Konzert von Sigrid Horn und Eröffnungsworten von Melanie Wiener

Unsere Idee(n) des Monats

Drei Beispiele aus Tirol zeigen unterschiedliche Wege, wie Kultur zum Ort für Bewusstseinsbildung und Veränderung werden kann.

Kultureinrichtungen können Nachhaltigkeit nicht nur thematisieren, sondern im eigenen Betrieb vorleben und möglichst vielen Menschen zugänglich machen.
Außenansicht des Gebäude des Kulturlabor in Hall Tirol
Kulturlabor Stromboli in Hall in Tirol

Erstens

Kulturlabor StromboliNachhaltigkeit im Kulturbetrieb verankern

Wer in Sachen Nachhaltigkeit mit gutem Beispiel vorangehen möchte, kann im eigenen Haus beginnen. Das Kulturlabor Stromboli in Hall in Tirol ist seit 2020 Klimabündnis-Betrieb und hat bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt – von erneuerbarer Energie und Dachisolierung bis Recyclingpapier.

Bis 2028 stehen unter anderem LED-Beleuchtung, nachhaltiges Mobilitätsmanagement, nachhaltige Beschaffung sowie mehr regionale Bio- und Fair-Trade-Produkte auf dem Plan.

Veranstaltung im Kulturlabor Stromboli
Veranstaltung im Kulturlabor Stromboli

Am Wort

Julia MumelterDie Geschäftsführerin vom Stromboli sieht den Kulturbetrieb als wichtigen Player im Klimaschutz:

„Mit rund 150 Veranstaltungen im Jahr erreichen wir sehr viele Menschen in der Region. Das gibt uns die Möglichkeit, gesellschaftspolitische Denkanstöße zu geben. Die Klimakrise ist die Herausforderung dieses Jahrhunderts, dafür möchten wir das Bewusstsein schärfen.“

Klimabündnis Mitglieder Signet: Weltkugel mit "Wir sind Klimabündnis" Schriftzug und grün, blauer Umrandung

InfoboxSo werdet ihr Klimabündnis-Betrieb

Der Weg zum Klimabündnis-Betrieb beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Wo steht der Betrieb beim Klimaschutz und welche Maßnahmen lassen sich umsetzen? Klimabündnis Tirol begleitet Betriebe mit Beratung und Check. Ziel ist ein niederschwelliger Einstieg in den Klimaschutz.

Das Kulturzentrum Alte Gerberei, bespielt vom Verein Musik & Kultur St. Johann.
Das Kulturzentrum Alte Gerberei, bespielt vom Verein Musik & Kultur St. Johann.

Zweitens

MuKu St. Johann Klimaschutz auf die Bühne und ins Programm bringen

Nachhaltigkeit kann auch zum Inhalt von Kunst und Kultur werden. Ausstellungen, Filme, Theater, Workshops, Lesungen oder Diskussionen eröffnen Räume, um sich mit Klimawandel, Natur und Zukunft auseinanderzusetzen – über Bilder, Geschichten und gemeinsames Erleben.

Die MuKu St. Johann in der Alten Gerberei ist hier Vorreiter und gestaltet seit drei Jahren die Tage der Klimakultur mit. Kulturinitiativen aus ganz Tirol bringen dabei im Oktober Klimaschutz auf Bühne, Leinwand oder in den Ausstellungsraum. Ziel ist es, Klimaschutz nicht nur zu erklären, sondern über Kunst und Kultur erfahrbar zu machen und neue Zugänge zu einem Thema zu schaffen, das uns alle betrifft. Die MuKu ist ist heuer wieder mit mehreren Veranstaltungen dabei.

Isabell Huter
Isabell Huter, Geschäftsführerin der MuKu St. Johann

Am Wort

Isabell HuterFür die MuKu-Geschäftsführerin ist gerade die Verbindung von Kultur und Bewusstseinsbildung entscheidend:

„Für uns bedeutet Nachhaltigkeit mehr, als den eigenen Kulturbetrieb möglichst umweltfreundlich zu gestalten. Wir wollen das Thema auch über unser Programm und unsere Kulturarbeit vermitteln. Die Tage der Klimakultur sind dafür eine schöne Möglichkeit, weil wir gemeinsam mit anderen Kulturinitiativen zeigen können, wie vielfältig die Auseinandersetzung mit Klimaschutz sein kann. Kunst und Kultur können Menschen auf einer anderen Ebene erreichen, zum Nachdenken anregen und neue Perspektiven eröffnen.“

Wie das Stromboli verbindet auch die MuKu St. Johann zwei Ebenen: Nachhaltigkeit wird über das Kulturprogramm vermittelt und im Haus selbst gelebt. Die Alte Gerberei wurde 2023 mit dem Österreichischen Umweltzeichen als Green Location ausgezeichnet.

InfoboxSo werdet ihr Teil der Tage der Klimakultur

Ihr plant eine Veranstaltung zu Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Natur oder einer klimafitten Zukunft? Dann bringt sie im Oktober bei den Tagen der Klimakultur ein! Ob Ausstellung, Konzert, Theater, Film, Workshop, Lesung oder Diskussion – Kulturinitiativen und Künstler aus ganz Tirol sind eingeladen mitzumachen. Klimabündnis und TKI bündeln die Veranstaltungen auf einer gemeinsamen Plattform und bewerben sie gemeinsam. 2026 sind über 50 Events dabei.

Mieminger Kulturstadl
Der Mieminger Kulturstadl – einer der Kulturorte am Mieminger Plateau

Drittens

Kulturorte Mieminger PlateauKultur für alle zugänglich machen

Neben ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten hat Nachhaltigkeit noch eine weitere Dimension: soziale Nachhaltigkeit. Dazu gehört, Kultur möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Barrieren können baulich, körperlich oder finanziell sein. Die Alte Gerberei in St. Johann zeigt mit einem Barrierecheck, wie physische Barrierefreiheit im Kulturhaus mitgedacht wird.

Die Kulturorte Mieminger Plateau setzen bei der finanziellen Zugänglichkeit an:

  • Mit dem Kulturfünferl gibt es dort eine Vorteilskarte, mit der Besucher:innen bei Veranstaltungen des Kulturausschusses Ermäßigungen erhalten.
  • Noch grundsätzlicher setzt Hunger auf Kunst & Kultur an: Menschen mit finanziellen Engpässen erhalten mit dem Kulturpass freien Eintritt in teilnehmenden Kultureinrichtungen. In Tirol beteiligen sich mehr als 150 Kultureinrichtungen und über 134 Sozialeinrichtungen.
Maria Thurnwalder
Maria Thurnwalder, Kulturmanagerin der Mieminger Kulturorte

Am Wort

Maria ThurnwalderDie Mieminger Kulturmanagerin

Seit 2022 unterstützen auch die Kulturorte Mieminger Plateau die Aktion. Damit wird kulturelle Teilhabe unabhängig von der finanziellen Situation ermöglicht. Gleichzeitig zeigt der Mieminger Kulturstadl, wie soziale und ökologische Nachhaltigkeit zusammenspielen: Die Veranstaltungen sind regelmäßig GREEN EVENTS TIROL.

„Mir ist es wichtig, mit gutem Beispiel voranzugehen. Wir versuchen, bei unseren Veranstaltungen möglichst nachhaltig zu arbeiten – zum Beispiel mit regionalen Produkten, Mehrweg statt Einweg, Abfallvermeidung und indem wir die Anreise mit dem Fahrrad fördern. Für mich ist der Kulturstadl eine Vorzeigeveranstaltung, bei der wir zeigen können, dass Nachhaltigkeit auch bei Kulturveranstaltungen gut funktioniert.“

InfoboxSo könnt ihr „Hunger auf Kunst & Kultur“ unterstützen

Kultureinrichtungen können Partnerbetrieb von „Hunger auf Kunst & Kultur“ werden und Menschen mit finanziellen Engpässen kostenlosen Zugang zu ihren Veranstaltungen ermöglichen. Auch soziale Einrichtungen können Kulturpässe ausgeben. Informiert euch über die Voraussetzungen und Möglichkeiten zur Teilnahme.

Nachhaltigkeit ist eine Gemeinschaftsaufgabe

Die Beispiele zeigen: Es gibt nicht den einen Weg zu mehr Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb. Sie kann bei der Organisation des Hauses beginnen, über das Programm vermittelt werden oder bei der Frage ansetzen, wer überhaupt Zugang zu Kultur bekommt.

Denn nachhaltige Kultur entsteht nicht durch eine einzelne große Maßnahme, sondern durch viele Menschen, die Verantwortung übernehmen und Schritt für Schritt Veränderung möglich machen. Wenn sich diese Impulse verbinden, wird Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb nicht nur umgesetzt, sondern erlebbar. So entsteht eine Kultur der Nachhaltigkeit – auf, hinter und vor der Bühne.

Ideen des MonatsMonatlich stellen wir Ideen vor, die Klima + Gerechtigkeit zusammendenken.

Logo Mitglied des Monats Hintergrund Verlauf von grün zu blau
Green Events Tirol Logo

InfoboxSo werdet ihr GREEN EVENTS TIROL Location

Ihr wollt Nachhaltigkeit dauerhaft in eurem Kulturbetrieb verankern? Dann könnt ihr GREEN EVENTS TIROL Location werden. Voraussetzung sind ein Klimacheck und Mindeststandards etwa bei Mobilität, Barrierefreiheit, Abfallvermeidung, Energie und Beschaffung. Das Klimabündnis begleitet euch.